Durch die Veröffentlichungen eines “Eckpunktepapiers” des Bundesverkehrsministeriums im Oktober 2025 und die anschließenden Medienberichte ist in der Öffentlichkeit der Eindruck entstanden, dass der Führerscheinerwerb bereits ab 2026 günstiger und die Prüfungen einfacher werden sollen. Diese Ankündigungen haben bei vielen, die ihre Ausbildung bereits begonnen haben oder in Kürze starten möchten, zu großer Unsicherheit geführt. Einige überlegen, ihre Ausbildung zu verschieben oder zu unterbrechen.
Wir möchten Dich daher sachlich und transparent darüber informieren, wie der tatsächliche aktuelle Sachstand ist:
Aktuell kein beschlossener Gesetzesrahmen
Bislang gibt es nur politische Absichtserklärungen und ein Eckpunktepapier – keinen beschlossenen Gesetzesentwurf. Auch das konkretisierte Reformpapier des Bundesministeriums für Verkehr vom 11. Februar 2026 enthält weiterhin Vorschläge – kein beschlossenes Gesetz. Ob und in welcher Form alle Eckpunkte tatsächlich umgesetzt werden, bleibt offen.
Nächster Schritt: Referentenentwurf im 1. Halbjahr 2026
Sofern die Vorschläge konsensfähig sind, können rechtliche Änderungen voraussichtlich im 1. Halbjahr 2026 eingeleitet werden. Der Referentenentwurf wird dann zeigen, wie die geplanten Eckpunkte konkret ausgestaltet werden. Landesminister und Verbände werden diesen eingehend diskutieren – selbst bei zügiger Einigung folgen danach weitere gesetzliche Schritte.
Frühestmögliches Inkrafttreten: 1. Halbjahr 2027
Das Gesetz kann dann 2027 in Kraft treten und sich langfristig auf die Preisbildung auswirken – so die offizielle Einschätzung des Ministeriums. Die Reform werde „eher langfristige Auswirkungen auf die Preisbildung haben." Konkrete Angaben dazu, um wie viel der Führerschein günstiger werden soll, hat bisher keiner der Verantwortlichen gemacht.
Was die Medien falsch berichten: Die geplante Prüfungszeit von „25 Minuten"
Ein zentraler Punkt im Eckpunktepapier des Ministers: die praktische Fahrprüfung soll verkürzt werden. In vielen Medien wird seitdem von einer „Prüfungszeit von 25 Minuten" gesprochen – das ist jedoch irreführend und bedarf einer Klarstellung.
Die 25 Minuten beziehen sich ausschließlich auf die reine Fahrzeit – also die tatsächliche Zeit hinter dem Steuer im fließenden Verkehr. Die Gesamtprüfung würde laut den Plänen des Ministers 40 Minuten dauern. Denn eine praktische Prüfung setzt sich laut Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV, Anlage 7) aus mehreren Teilen zusammen:
- Fahrtechnische Vorbereitung (Fahrzeugeinstellung, Sicherheitskontrolle, Prüferfragen zur Fahrzeugtechnik)
- Grundfahraufgaben (z. B. Einparken, Rückwärtsfahren, Gefahrbremsung)
- Reine Fahrzeit im Straßenverkehr (innerorts, Landstraße, Autobahn)
- Feedbackgespräch mit dem Prüfer nach der Fahrt
Zum Vergleich: Nach der aktuell geltenden Regelung beträgt die Gesamtdauer 55 Minuten, davon 30 Minuten reine Fahrzeit. Die Reform würde die Gesamtdauer also um 15 Minuten auf 40 Minuten reduzieren – nicht auf 25 Minuten, wie vielerorts zu lesen ist.
Wichtige Hinweise für Dich als Fahrschülerin oder Fahrschüler
Wenn Du Deine Ausbildung unterbrichst oder verschiebst, besteht die Gefahr, dass:
- Dein bestehender Antrag Fahrerlaubnis (Prüfungserlaubnis) abläuft und neu beantragt werden muss.
- Dein absolvierter Theorieunterricht oder Sonderfahrten verfallen und wiederholt werden müssen.
- Dein Ausbildungsvertrag abläuft und erneuert werden muss.
Das verursacht zusätzlichen Zeitaufwand, kann zusätzliche Kosten nach sich ziehen und verzögert den Zeitpunkt, zu dem Du Deinen Führerschein erhalten kannst.
Was bedeutet das für Deine aktuelle Ausbildung?
- Deine laufende Ausbildung ist sicher und unverändert gültig.
- Der theoretische Unterricht muss aktuell in Präsenzform gehalten werden. Online-Theorieunterricht ist nicht momentan nicht erlaubt.
- Ein Abwarten bringt keinerlei Vorteil, da es voraussichtlich bis 2028 keine neuen Regeln geben wird.
- Ein Abbruch oder eine Pause kann im Gegenteil zu Zeitverlust, mehr Fahrstunden und dadurch zusätzlichen Kosten führen.
Bericht BR vom 20.12.25 → https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/fuehrerschein-bleibt-teuer-minister-raet-vom-warten-ab,V5vcdBH
Bericht BR vom 13.1.26 → https://www.br.de/nachrichten/bayern/wird-der-fuehrerschein-2026-guenstiger-reformen-tipps-sparen,V84zZAu

